Für ihre Promotion hat eine Forscherin an der Universität Leipzig untersucht, ob der Klingelton des eigenen Handys anders wahrgenommen wird als die Klingeltöne fremder Mobiltelefone. Ihre Ergebnisse wurden im angesehenen “Journal of Neuroscience” veröffentlicht. Nachfolgend habe ich für euch die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.
Jeder von uns hat es schon einmal erlebt: wenn man ein und demselben Klingelton über längere Zeit verwendet – sei es nun für eingehende Anrufe, SMS oder den Wecker – dann ist dieser irgendwann so von uns verinnerlicht worden, dass wir ganz anders darauf reagieren, als auf einen fremden Klingelton. Selbst wenn wir abgelenkt sind und uns konzentriert mit etwas anderem beschäftigen, ruft der Klingelton in uns eine starke Reaktion hervor.
“Das ist mit dem bekannten Phänomen vergleichbar, wonach wir unwillkürlich unsere Aufmerksamkeit auf ein Gespräch lenken, auf das wir bisher nicht geachtet haben, wenn dort unser eigener Name fällt. [...] Bei meiner Studie wollte ich sehen, ob der Klingelton des eigenen Handys ähnliche Effekte hervorruft wie die Situation auf einer Party, wenn der eigene Name genannt wird.” - Anja Roye
Genau das hat Anja Roye, Doktorantin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Leipzig, dann auch in einer Studie über einen Zeitraum von drei Jahren untersucht. Dabei wurden Versuchsgruppen von 12 bis 20 Studenten über einen Kopfhörer fremde und eigene SMS-Klingeltöne vorgespielt und die Gehirnaktivität mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen. Bereits nach 40 Millisekunden wurden große Unterschiede in der Wahrnehmung gemessen, da das Gehirn die Klingeltöne unterschiedlich stark verarbeitet.
“[Beim Ton des eigenen Handys] werden deutlich mehr Neuronen im auditorischen Kortex und auch in den vorderen Abschnitten des Großhirns aktiviert”, sagt Roye. “Diese Unterschiede konnten wir auch beobachten, wenn die Studenten einen Film geschaut und den SMS-Ton eigentlich ignoriert haben.” – Anja Roye
Mit diesen Ergebnissen gab man sich im Bereich der kognitiven und biologischen Psychologie an der Universität Leipzig jedoch noch nicht zufrieden. Man wollte mehr wissen. Was passiert, wenn die Probanden einen neuen, eigenen Klingelton zugewiesen bekommen, den sie sich nicht selbst aussuchen können? Um das rauszufinden, wurde ihnen dieser über einen Monat lang täglich zehn Mal vorgespielt und danach erneut die Gehirnaktivität mit einem EEG gemessen.
Das Ergebnis: nach nur einem Monat hatte das Gehirn den Ton als persönlich bedeutsam eingespeichert, was für einen starken Trainings- und Lernfähigkeit des Gehirns spricht – und das alles nur wegen eines einzigen Klingeltons.
Quelle: FreiePresse.de
Bildquelle: Flickr.com (jon18)

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