Jörg

Blogger der Woche heute: Karsten Sauer, Frankfurt (Main)

Von I

Schade, dass es mich noch vor der re:publica 2010 so gründlich aus den gesundheitlichen Angeln gehoben hatte. Ich hatte mich auf ein Treffen mit ihm und darauf gefreut, die nun schriftlich weitergereichten Fragen an Karsten direkt zu stellen und seinen “Sauerstoff” zu genießen. Karsten Sauer hat mittlerweile ausführlich auf die Fragen geantwortet. Die Antwort auf die Frage nach dem Abschneiden von Lena in Oslo hatte ich aus Aktualitätsgründen bereits hier veröffentlicht – Karsten hat seine seherischen Fähigkeiten damit unter Beweis gestellt. Danke an Karsten und euch viel Spaß mit den Antworten auf die anderen Fragen.

Hallo Karsten. In den Twitter-Kreisen, die ich regelmäßig verfolge, bist Du eine zentrale Figur. Ich folge dir seit längerem auf Grund einer Empfehlung von Jan Theofel und bin erst danach auf deinen “Sauerspace” gestoßen. Aber trotz Deiner Popularität im Internet: Bitte stell dich kurz vor.
Ich denke ehrlich gesagt nicht, dass ich eine echte Popularität im Netz habe. Da bin ich ein kleines Licht, wenn ich mir da so meine Mitstreiter anschaue. Ich bin Karsten Sauer, Ex-Berater, Start-up-mit-Insolvenz-gestählter Projektmanager für Online-Vertriebs-Späßchen vieler Art. Die Büros in denen ich arbeite sind genauso geographisch verteilt (Frankfurt/Stuttgart/Lindau) wie mein soziales Umfeld. Darum ist wohl auch Social Media so spannend für mich, weil es die Bande und mich zusammen hält.

Dein Nachname muss für eine Reihe charakteristischer Bezeichnungen herhalten, Sauerspace, SauerPhone, … Das stellt wie bei “Batman” eher eine Person als eine inhaltliche Zielstellung in den Vordergrund. Was treibt Dich an, am Web 2.0 teilzunehmen? Wie hast du zum Bloggen gefunden und warum bloggst du über diese Themen?
Ein Antrieb ist mein ausgeprägter Spieltrieb und meine Faszination daran, wie IT endlich das real life durchdringt. Und da meine Freunde und Familie geographisch weit verstreut sind, kann ich über Social Media-Plattformen, die das Web 2.0 prägen, wunderbar Kontakt mit meinen Lieben halten. Zum Bloggen gefunden habe ich durch die Geburt meines Sohnes vor acht Jahren. Damals habe ich für die Familie über die Fortschritte in seiner Entwicklung gebloggt. Ein weiterer Anstoß war die Verlagerung meines Hauptwohnsitzes nach Österreich. Das war und ist eine sehr spannende Erfahrung für mich, weil ich auf einmal Ausländer war und bin. Das habe ich damals als zentrales Thema meines Blogs gehabt, bis dann irgendwann alles Frappante gesagt war. Mittlerweile fasziniert mich viel mehr, dass mit Social Media die IT endlich dazu dient, um menschliche Beziehungen zu ermöglichen, zu festigen und zu unterstützen. Geile Sache! Ansonsten blogge ich über alles, was mich soweit bewegt, dass ich es mit anderen teilen und die Meinung anderer, mir unbekannter Menschen dazu gerne lesen möchte.

Bei einem Blick in den Sauerspace fallen deshalb natürlich vor allem Themen zu Socialmedia ins Auge. Worüber schreibst du am liebsten?
Meine Lieblingsthemen sind mittlerweile Twitter und location based services. Twitter einfach wegen der einzigartigen Kombination aus minimalistischer Funktion und der damit verbundenen, umso größeren Auseinandersetzung mit den damit einhergehenden Regeln. Dieses Einordnen oder Ignorieren von Regeln offenbart so allerhand Menschliches. Location Based Services bringen endlich Social-Media-Plattformen mit dem echten Leben in Bewegung zusammen. Und da ich viel unterwegs bin, ist das für mich eine sehr direkt erlebbare Kombination aus echtem Leben und geekiger Technik.

Die intensive Nutzung vieler Kanäle im Web 2.0 scheint eine gewisse Begeisterung für Spielzeuge anzudeuten. Was gibt den Ausschlag für dich, ein Gadget zu kaufen: schickes Design, innovative Technologie oder der praktische Nutzen?
Scheint anzudeuten? Ich liebe diese Spielzeuge! Eben, weil sie nicht nur Spielzeuge sind, sondern eben echten persönlichen Nutzen bringen. Dieser Nutzen ist für viele nicht greifbar, wodurch sie diesen als Spielzeuge klassifiziert werden. Den Ausschlag zur Anschaffung bilden ehrlicherweise gleichermaßen Funktion UND Spaß an der Benutzung, der oft auch durch das Design herbeigeführt wird – wie z.B. beim iPhone. Innovative Technik allein genügt nicht. Ich muss schon einen konkreten Nutzen davon haben.

Obwohl Du persönlich ja einige Kontakte zu unserem Blog hast, kann ich mich nicht erinnern, dass Du schon einmal über ein LG-Testgerät berichtet hast. Bist du im Besitz von LG-Produkten? Wenn ja, welches befindet sich in unmittelbarer Reichweite?
Zu meiner Rechten zeigt mir gerade ein LG-Flatscreen eine Reportage von HR3 über den Alltag von Sicherheitskräften am Frankfurter Flughafen. Es ist ein 32LG2100 – musste gerade erst einmal nachsehen. Ich wollte damals einfach nur mal schauen, was so im Angebot ist und bin mit einem groooßen Karton wieder nach Hause gekommen. Testgeräte habt ihr mir bisher noch keine geschickt.

Wie interpretierst du die Botschaft des LG’s Claim “Life’s Good!”?
Öhm, Werbetexter bin ich nun wirklich nicht. Aber ich verbinde mit dem Claim, dass die Aufgabe, die ein LG-Gerät für mich erledigt, dann auch gut erledigt ist und ich mir keine Gedanken mehr um Alternativen machen muss. Dieses Versprechen lese ich hinter dem Claim!

Laut Wikipedia steht der Begriff Early Adopter für einen Menschen, der die neuesten technischen Errungenschaften oder die neuesten Varianten von Produkten erwirbt, obwohl diese teuer und oftmals unausgereift sind. Bist du ein solcher Early Adopter oder wartest du ruhig ab, bis ein Gerät ausgereift ist?
Sagen wir mal so: Ich habe (noch) kein iPad bestellt. Da bin ich mittlerweile etwas entspannter geworden und lasse erst einmal andere die ungereifteren Versionen austesten, bis ich mir meine Meinung gebildet habe. Bei Online-Diensten ist das was völlig anderes. Wenn der Service nur ausreichend Spaß und Nutzen andeutet, habe ich mich registriert, bevor ich genau weiß, wie er funktioniert. Das geschieht aber meistens bei Services, auf die mich Kontakte aufmerksam gemacht haben, von deren Urteil ich viel halte.

Ich beschäftige mich im Moment sehr oft mit dem Thema 3D, ohne allerdings schon einen speziellen Kaufwunsch zu haben. Hast Du Pläne, ein bestimmtes technisches Gerät anzuschaffen?
Nein, aktuell nicht. Ich habe neulich zusammen mit meinem Sohn den Film Drachenzähmen leicht gemacht in 3-D gesehen. Das war toll, hat mich bzw. uns bisher aber nicht soweit angestochen, dass ein 3D-Gerät angeschafft werden muss.

Welches Gerät sollte nach Deiner Meinung unbedingt erfunden werden, vielleicht ein Sauerkneter?
Nee, ich wäre schon zufrieden, wenn ich ein Gerät hätte, das mir helfen würde, die Einrichtung meiner Wohnung in Frankfurt zu planen. Aber da gibt es ja auch schon, die IKEA-App für das iPhone 3GS. Ich bin aber noch mit einem 3G unterwegs.

Auf Twitter folge ich Dir, Facebook und andere Portale scheinen Dir nicht fremd zu sein. Welche Schwerpunkte setzt Du für diese Aktivitäten?
Zentraler Punkt für mich ist erst einmal mein Blog, meine digitale Heimat sozusagen. Dort kann ich mich nach Belieben austoben, mit meinem gesunden Halbwissen in den Templates herumschrauben und veröffentlichen, was und wie ich will. Bilder und Daten liegen in meinem Webspace und nicht auf Plattformen, bei denen nicht transparent ist, was sie damit anstellen. Hier kommen alle Überlegungen und Fragestellungen rein, die mich eine Weile beschäftigen und dann eine Form brauchen, um mit anderen diskutiert zu werden. Der tägliche Beifang wird per Posterous an mein Blog, an Flickr und an Facebook verteilt. Das tägliche Gezwitscher findet auf Twitter statt, dort pflege ich die meisten meiner Kontakte. Zugleich ist es mittlerweile meine Hauptinformationsquelle. Über Twitter habe ich lange meinen RSS-Reader völlig vergessen. Facebook ist mir nicht sonderlich sympathisch, erlaubt mir aber meine amerikanische Verwandtschaft dort zu treffen, und nach und nach finden sich meine Bekannte dort ein. XING ist für mich wie für viele ein sich selbst pflegendes Telefonbuch.

Du bist beruflich viel unterwegs, kennst den Schokoladenkuchen in der Niederlassung München und nimmst regen Anteil an Barcamps und Stammtischen. Was beschäftigt dich zurzeit am meisten?
Am spannendsten finde ich derzeit die Möglichkeiten, die Location Based Services für die geschäftliche Nutzung ermöglichen. Da finden IT, Location und Geschäft zusammen. Da steckt viel Potenzial drin! Ich könnte mir vorstellen, mich auch beruflich in diese Richtung entwickeln.

Was hast du beim Bloggen über Dich und Deine Leser gelernt?
Über mich habe ich gelernt, dass mir das Schreiben hilft, diffus herumgeisternde Gedanken endlich einmal sichtbar zu strukturieren. Manchmal kommt dabei heraus, dass ich mir über eine Belanglosigkeit den Kopf zerbrochen habe. Das sind dann Posts, die nie veröffentlicht werden. Wenn ich dann aber ein Thema soweit aufbereite, dass es zum Post kommt, lerne ich, dass es gut tut, meine Ansichten bestätigt zu bekommen. Das geht selbstverständlich runter wie Öl. Viel unbequemer aber zugleich auch erkenntnisreicher sind abweichende Ansichten, mit denen ich konfrontiert werde.

Über meine Leser habe ich gelernt, dass sie – wenn sie dann einmal kommentieren – schon bereits eine Weile verfolgt haben, was ich in meinem Blog, aber auch auf anderen Plattformen für Äußerungen getätigt habe. Außerdem kommt da in der Regel qualifiziertes Feedback, was in einem Blog nicht selbstverständlich ist und mich sehr freut. Geflattrt wurde bei auch schon fleißig.

Danke für deine Antworten. Mal sehen, wie wir das mit einem LG Testgerät regeln können ;-) , ich gebe die Idee jedenfalls weiter.

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