Jörg

Interview mit dem Blogger der Woche, Jan Theofel, Stuttgart

Von I


Ich gebe zu, dass ich Jan gern wieder persönlich getroffen und befragt hätte. Aber obwohl wir beide regelmäßig in München sind und dort sogar am selben Ort arbeiten, treffen wir uns selten. Aber das ist sicher nebensächlich, Jan hat mir auch so Rede und Antwort gestanden. Danke an Jan und euch viel Spaß mit dem Interview.
1. Hallo Jan. Eigentlich bist du ja ein in der deutschen Blogosphäre sehr bekannter Blogger. Dennoch: Bitte stell dich kurz vor.
Ich bin Jan Theofel aus Stuttgart. Mit dem Bloggen habe ich 2004 angefangen und seit dem auch meine Aktivitäten in zahlreichen anderen Bereichen des Web 2.0 entfaltet. Hauptsächlich bediene ich meine beiden großen Blogs „Jans Küchenleben“ und „Jans Technik-Blog“, beruflich noch ein Corporate Weblog. Dazu kommt mein Twitteraccount @jantheofel und noch einige andere mehr oder weniger häufig von mir bestückte Blogs.

2. Die Namen deiner Blogs „Jans Küchenleben“ und „Jans Technik-Blog“ sprechen für den Inhalt. Wie hast du zum Bloggen gefunden und warum bloggst du über diese Themen?
Am 28.10.2004 war ich bei einem Vortrag über Weblogs von Martin Röll, der damals mit seinem E-Business-Weblog sehr bekannt war. Ich erkannte sofort, dass Bloggen der ideale Weg war, meiner damals fünf Jahre alten, privaten Webseite neues Leben einzuhauchen.
Bereits am nächsten Tag ging mit „Jans Technik-Blog“ mein erstes Blog online. Darin beschäftige ich mich bis heute vor allem mit technischen Dingen – sei es nun physisch in Form von Hardware oder soft in Form von Bits und Bytes. Das schulde ich neben meinem starken persönlichen Interesse an diesem Thema natürlich auch meinem Beruf.
Einige Wochen später ging dann das heutige „Jans Küchenleben“ an den Start. Damals noch als „Jans persönliches Blog“ – daher auch das „plog“ in der URL. Es hat irgendwann mein Hobby Kochen immer mehr geprägt und das Hobby das Blog. So bekam es mit der Zeit einen klaren thematischen Fokus und die privaten Inhalte zogen wieder in mein Technik-Blog, weil das einfach breiter aufgestellt ist.
Über die Jahre kamen dann weitere Blogs wie etwas das „Brettspielblog“ und „Schokolade geht immer“ (ebenfalls aus persönlichem Interesse), ein Firmen-Blog und das „321Blog“ hinzu. Letzteres befasst sich mit dem Abnehmen und ist wohl eine direkte Folge meines „Jans Küchenleben“.
Zurückblickend waren meine ersten Blogs recht früh am Start. Dennoch hatte ich damals das Gefühl viel zu spät diesen neuen Trend erkannt zu haben. (Er hat bei dieser Antwort sicher gegrinst , weil er weiß, dass ich viel später als er mit dem Bloggen angefangen habe und damals das gleiche Gefühl hatte.)

3. Du hast ein breites Themenspektrum auf deinen beiden ständigen und einigen anderen, temporären Blogs. Worüber schreibst du am liebsten?
Das regelt Lust und Laune. Ich versuche vor allem meine beiden Hauptblogs zu bestücken. Bei den anderen gibt es auch noch einige mehr oder weniger aktive andere Autoren.
Wo ich gerade schreibe, ist vor allem durch meine Stimmung geprägt. Auch die Menge der Beiträge, die traditionell in den ersten Jahreswochen stark zurückgeht. Das ist meine „Post-Weihnachts-Blog-Depression“, weil da auch meine Besucherzahlen immer stark zurückgehen. Die gut positionierten Weihnachtsrezepte sind dann einfach nicht mehr so gefragt…

4. Was gibt den Ausschlag für dich, ein Gadget zu kaufen: schickes Design, innovative Technologie oder der praktische Nutzen?
Oh, das kommt darauf an. Wenn es um Technik geht, geht für mich Funktion vor Design. Vor allem lege ich Wert auf offene Systeme und will mich – soweit möglich – nicht in Abhängigkeiten von Anbietern begeben. Daher ziehe ich Open-Source-Software fast immer kommerziellen Produkten vor.
Wenn es um meine Küche geht kaufe ich mir so ziemlich jedes Gadget, das ich bekommen kann. Da überwiegt der Sammlertrieb der Frage nach dem praktischen Nutzen deutlich.
Generell entscheide ich mich bei Gadgets fast immer für Markenprodukte, wie etwas LG, weil diese meiner persönlichen Erfahrung nach einen besseren Service bieten. Das kostet zwar auch etwas mehr, aber das ist es mir wert.

5. Ich erinnere mich, dass du unter anderem die LG Pizza-Mikrowelle, ein LG Fernsehgerät und einen LG Blu-ray-Player getestet hast. Bist du im Besitz von LG-Produkten? Wenn ja, welches befindet sich in unmittelbarer Reichweite?
Der Blu-Ray-Player und der Fernseher stehen gleich nebenan im Wohnzimmer. Vor allem um sich mit sinnfreien Fernsehserien berieseln zu lassen oder einen tollen Film zu schauen, sind beide ein perfektes Duo. Sie haben meinen uralten Röhrenmonitor von LG abgelöst.
Die Mikrowelle habe ich nicht mehr, weil Mikrowellen für mich persönlich nichts mit Kochen zu tun haben. Der Test des Geräts war toll, hat mir aber genau diese Einstellung auch wieder bestätigt.

6. Welche Botschaft steckt für dich persönlich im LG’s Claim “Life’s Good”?
Es ist für mich die digitale Variante von Carpe Diem. Wir sollten unser Leben genießen. Und wo sinnvoll, dürfen uns dabei elektronische Geräte behilflich sein.

7. Laut Wikipedia steht der Begriff Early Adopter für einen Menschen, der die neuesten technischen Errungenschaften oder die neuesten Varianten von Produkten erwirbt, obwohl diese teuer und oftmals unausgereift sind. Bist du ein solcher Early Adopter oder wartest du ruhig ab, bis ein Gerät ausgereift ist?
Es kommt oft darauf an. Bei einigen Produkten will ich spielen und basteln – da bin ich dann auch ein Early Adopter. Bei anderen, die ich täglich verwende, achte ich bewusst darauf, dass sie ausgereift sind und funktionierten.

8. Das nächste von mir anvisierte technische Gerät ist ein HDTV-SAT-Receiver mit Festplattenrecorder. Hast Du auch Pläne, ein bestimmtes technisches Gerät anzuschaffen?
Lustig, dass du das erwähnst. Ich will mir so etwas selbst bauen. Dafür liegt hier seit Monaten eine Fernsehkarte rum, die endlich mal in meinen PC rein soll… Im Küchenbereich wird meine nächste Anschaffung definitiv eine Eismaschine sein.

9. Welches Gerät sollte nach Deiner Meinung unbedingt erfunden werden?
Wenn ich das wüsste, würde ich es dir doch nicht in einem Interview verraten, oder? (Dabei hat er gegrinst, ganz sicher.) Aber ganz im Ernst: Ich denke da vor allem an den medizinischen Bereich. Ich war letztes Jahr nach Weihnachten zwei Tage im Krankenhaus. Wenn ich mir anschaue, wie aufwändig die Diagnose war, wie teuer sie war und dass man dennoch nicht gefunden hat, was ich vermutlich hatte, dann ist da noch enorm viel zu tun. So Geräte wie in Star Trek: Einfach drüberhalten und man hat eine Diagnose und Heilung – das wär’s!

10. Wie findet man dich auf Twitter, Facebook und anderen Portalen? Wofür setzt du diese ein?
Für mich spielen vor allem folgende Web-2.0-Dienste eine Rolle: Twitter, Facebook (möglichst ohne jede App), Xing und seit kurzem Foursquare. Die anderen habe ich nur angetestet. Ich mag vor allem einfache Portale mit wenig Funktionen und nicht diese überladenen Communities mit einer Million Funktionen. Wer soll da denn bitte durchblicken? Außerdem kostet es dann zu viel Zeit.
Twitter nutze ich für meine Statusmitteilungen. Facebook für beliebige Kontakte, Xing nur für persönliche Kontakte und Termine wie die TAC-Treffen in Stuttgart zu organisieren. Bei Foursqaure könnt ihr sehenb wo ich mich gerade rumtreibe, und ich, wo ihr euch rumtreibt.

11. Ich war mit Dir in München schon einmal TAC spielen. Aber was das für ein Spiel ist, weiß nicht jeder …
TAC ist ein klassisches Brettspiel. So zum anfassen, ganz ohne Elektronik. Wenn du mich fragst, ist es das beste Brettspiel der Welt. Kurz gesagt muss man vier Spielsteine einen Kreis laufen lassen und dann nach Hause bringen. Dabei spielen immer zwei Spieler zusammen als Team und die Spielsteine werden mit Karten bewegt. Ein sehr spannendes, abwechslungsreiches, unterhaltsames und kommunikatives Spiel. Da es mich so gefesselt hat, bin ich „TAC-Botschafter“ in Stuttgart.

12. Du spielst demnach gern TAC, bist beruflich viel unterwegs, kochst gern und nimmst regen Anteil an Barcamps und Stammtischen. Was beschäftigt dich zurzeit am meisten?
Offen gestanden gerade nichts von dem allem. Im Januar ist meine Freundin bei mir eingezogen. Das gemeinsame Leben nimmt seitdem einen großen Teil meiner Zeit ein. Da ich dafür natürlich meine Arbeit nicht vernachlässigen darf, stehen zur Zeit vor allem meine Webaktivitäten etwas hinten an.

13. Was hast du beim Bloggen über dich, deine Blogs und deine Leser gelernt?
Viel. Ich glaube das Bloggen hat mich sehr stark geprägt. Vor allem meine Kochleidenschaft ist durch das Bloggen erst so richtig entfacht worden. Über meine Blogs habe ich gelernt, was bei Lesern ankommt und dass sie sich teilweise sehr saisonal verhalten. Und über die Leser, dass es sich um nette Menschen handelt, von denen ich bei einigen das Glück habe, sie inzwischen auch persönlich zu kennen.

14. Danke für deine Antworten. Aber eines interessiert mich noch. Auf welche Frage hättest du im Moment keine Antwort geben können?
Auf die Frage wo ich Social Media in einem Jahr sehe. Außer dem Umstand, dass es noch mehr Bedeutung für uns alle haben und bis dahin unheimlich wachsen wird, kann man das glaube ich nur sehr schwer vorhersagen.

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