
LG Deutschland COO Ulrich Kemp
Vor Kurzem haben wir euch bereits darüber informiert, dass wir euch künftig auch ab und an einen Einblick in das “Innenleben” von LG Electronics geben wollen. Dieses Mal werfen wir einen Blick auf das Management von LG Deutschland und haben dazu für euch auf der IFA 2009 ein Interview mit dem Chief Opperating Officer (kurz COO) von LG, Ulrich Kemp, geführt. Herr Kemp ist 47 Jahre alt und trägt unter anderem die operative Verantwortung für Marketing und Sales aller Produktbereiche. Da es sich um ein sehr ausführliches Interview handelt, werden wir es in zwei Teilen veröffentlichen. Im ersten Teil spricht Ulrich Kemp über die Zukunft von LG, die Bedeutung des Social Web und der Online Werbung für ein großes Unternehmen wie LG und beantwortet die Frage, ob er selbst auch das LG Blog liest. Viel Spaß!
Hallo Herr Kemp, die einleitende Frage dieses Interviews ist natürlich, ob Sie selbst das LG Blog lesen.
Kemp: Ja, natürlich lese ich das LG Blog, sowie auch eine Vielzahl von anderen Plattformen. Wenn ich nach Hause komme, kümmere ich mich zuerst um meine Familie. Und dann setze ich mich fast täglich vor den PC und bringe mich auf den neuesten Stand, was über LG geschrieben wird. Speziell was die Verbraucher über unsere Produkte denken und schreiben, aber natürlich auch über aktuelle Trends in den verschiedenen Branchen. Diese Zeit empfinde ich als sehr wertvoll und wichtig für mich selbst, da es kein direkteres Feedback gibt als Meinungen, die Online von Kunden publiziert werden.
Welche Chancen sehen Sie für LG im Bereich Social Web?
Kemp: LG setzt voll auf das Thema Social Media. Wir haben mit Jason Schiess und seinem Team eine sehr engagierte Online Marketing Abteilung. So haben wir aktuell zum Beispiel unsere Website überarbeitet und ihr einen neuen, zeitgemäßeren Look verpasst. Diese Überarbeitung hat gerade erst angefangen und ist natürlich ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, um dem Kunden das Surfen so angenehm wie möglich zu machen, aber auch um unseren Ansprüchen gerecht zu werden.
Außerdem sind uns die Meinungen der Konsumenten sehr wichtig. Das Feedback, welches wir aus dem Social Web bekommen, landet bei uns nicht im Papierkorb, sondern geht direkt an die Produktmanager, die diese Informationen sehr ernst nehmen. Ziel ist es, unsere Produkte auf Basis dieser Informationen zu verbessern und den Marktanforderungen anzupassen. Dies ist natürlich kein einmaliger Prozess, sondern ein Kreislauf.
Wie wichtig ist Ihnen Online Werbung im Vergleich zu klassischen Werbekampagnen?
Kemp: Online Werbung ist ebenso wichtig wie klassische Werbekampagnen, da dieser Sektor immer mehr an Bedeutung zunimmt.
Je nach Produktbereich investieren wir bis zu 30% des Werbebudgets in Online Werbung. Zwar ist es hier oft schwieriger, audiovisuell das zu vermitteln, was vermittelt werden soll, da die Qualität hier oft geringer ist als z.B. im Fernsehen. Diese Werbeformen werden bei uns dennoch sukzessive ausgebaut und weiterentwickelt. Nicht umsonst haben wir für das nächste Jahr einen Ausbau unserer Onlinemarketingabteilung geplant, was in unserer Branche sicher selten ist. Wir möchten hier frühzeitig investieren und haben hier wie gesagt eine sehr engagierte Online-Abteilung.
Was ich in diesen Zusammenhang noch erwähnen möchte – ich komme ursprünglich ja aus der PC-Branche und gehöre wohl zu den ersten Personen in Deutschland, die PCs verkauft haben. Deshalb bin ich schon immer offen für neue Entwicklungen gewesen und scheue mich nicht, hier auch zu investieren. Mein erster eigener PC beispielsweise kostete damals noch 12.000 Mark und hatte 8 kB Arbeitsspeicher und eine 10 MB Festplatte. Ich habe damals auch an den Geräten “geschraubt“, programmiert, getestet und experimentiert. Man sieht also, ich bin mit dem PC groß geworden und bin ein „Fan“ der ersten Stunde. Ähnlich sieht es im Bereich Online aus. Auch hier müssen wir investieren, um zu testen und zu experimentieren, um herauszufinden, was für uns funktioniert und was nicht. Deshalb liegt mir auch dieses Thema sehr nahe.
In welche Produktbereiche wird LG in Zukunft investieren?
Kemp: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Im Kern möchte ich eigentlich alles auf dem deutschen Markt einführen, was LG zu bieten hat. Da gibt es noch einige Produktbereiche, die wir lokal noch nicht anbieten. Aber: Wir müssen auch abwarten, wie sich die Märkte entwickeln. Und wir müssen natürlich überprüfen, welche Produkte auf dem deutschen Markt gefragt sind und welche nicht. Anfang 2010 kommen beispielsweise die ersten LG Staubsauger auf den deutschen Markt. Und dieses Jahr haben wir den Produktbereich Storage mit unserer aktuellen NAS-Reihe erweitert – es gibt jedoch auch viele Produkte von LG, die wir nicht auf dem deutschen Markt eingeführt haben. Wir möchten uns nämlich erst einmal mit den bestehenden Produktbereichen positionieren und etablieren. Parallel dazu führen wir dann Schritt für Schritt neue Produkte und neue Produktbereiche ein.
In welchen Produktbereichen von LG sehen Sie in den nächsten 5 bis 10 Jahren die meisten Wachstumschancen?
Kemp: Unsere größten Wachstumschancen im nächsten Jahr liegen im Bereich Mobile. Aktuell haben wir in Deutschland einen Marktanteil von rund 15% – gestartet sind wir Anfang des Jahres mit ca. 3 %. Beigetragen zu dieser positiven Entwicklung hat vor allem die erfolgreiche Markteinführung des LG KM900 Arena. Mittlerweile ist Deutschland das Land mit den weltweit höchsten Absatzzahlen für das Arena.
Nun kommen wir mit neuen Produkten wie z.B. dem BL40 newchocolate, dem BL20 newchocolate oder auch dem GW620 mit Android Betriebssystem auf den Markt und werden natürlich noch weitere Handys bringen. Wir erhoffen uns, dadurch eine noch breitere Zielgruppe zu erreichen und damit selbstverständlich auch unseren Marktanteil zu steigern.
Der zweitgrößte Wachstumsmarkt für 2010 ist für mich der Bereich TV. Dank unsers attraktiven TV Lineups werden wir hier überdimensional wachsen. Und last but not least möchte ich noch den Bereich Audio/Video nennen: Dieser Markt wird stark wachsen, vor allem verursacht durch den Wechsel von DVD auf Blu-ray und sinkende Preise in diesem Bereich.
Diese drei Märkte stehen 2010 im Fokus bei uns und werden sehr stark wachsen.
Vergessen darf man aber natürlich nicht den Produktbereich Weiße Ware! Das ist ein schlafender Riese mit einem Marktvolumen von rund einer Milliarde Euro allein bei Waschmaschinen. Auch hier werden wir uns sicher Schritt für Schritt etablieren.
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