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Das Blogger Interview der Woche
Ich hatte René von Nerdcore vor einiger Zeit gebeten, das Blogger der Woche Interview mit mir zu machen. Leider hatte er in letzter Zeit sehr viel um die Ohren. Nun hat es aber doch noch geklappt. Für mich eines der lustigsten Interviews bis dato. Da passt das alte Sprichwort: Was lange wärt wird endlich gut. Vielen Dank an René und viel Spaß Euch beim lesen.
Christoph: Warum heißt dein Blog so wie er heißt?
René: Der Name ist nichtmal auf meinem Mist gewachsen. Als ich damals
angefangen habe, schrieb ich zunächst unter crackajack.de ins Netz, da
liegt jetzt mein Design-Portfolio. Ich wollte allerdings etwas neues
haben, ein eigenes Weblog eben, Crackajack war noch statisches HTML.
Also überlegte ich hin und her und vor und zurück und mir fiel nichts
passendes ein, da kam mein damaliger Kollege und Kumpel Alexander
(Zielpublikum.de) mit Nerdcore um die Ecke und das passte wie die
Faust auf’s Auge, denn ich war schon damals Musik- und Film-Nerd und
trieb mich in den Untiefen und eher abseitigen Seiten des Internetzes
herum. Voila: Nerdcore was born.
Warum bloggst du?
Aus Lust an Publizität. In den Neunzigern hatte ich ein Techno-Fanmag
am Start, in Handarbeit am Kopierer hergestellt mit der unglaublichen
Auflage von 70 Exemplaren. Nerdcore ist praktisch die Fortsetzung
davon. Ich bin fasziniert von der Demokratisierung des
Publishing-Prozesses. Wollte man früher ein Magazin starten, brauchte
man Unsummen für die finanzierende Werbe-Akquise, für den Druck, das
Layout und die Distribution. Diese Kosten sind dank des Netzes auf
praktisch Null gesunken, was völlig unglaublich ist und wir können die
Folgen dieser Revolution noch gar nicht weit genug abschätzen. Ich
weiß aber, warum von Spon bis SZ die Journalisten das Netz
schlechtschreiben: denen geht der Arsch auf Grundeis. Und womit? Mit
Recht!
Bist du ein Nerd?
Ich? Niemals! Im Ernst: ein klassischer Physik-Streber war ich
nie, obwohl ich immer ‘ne Eins in Mathe hatte. Ich bin auch kein
großer Techie, gemessen an anderen. Ich kann zwar programmieren, das
aber auch ohne Experten-Kentnisse. Ich bin eher ein Musik- und
Film-Nerd, kenne mich auch mit Netzkultur aus. Ich bin eher eine
Mischung aus Nerd und Geek… ach, was solls: ich bin ein Nerd. So.
Was ist dir am wichtigsten, wenn du dir ein Gadget kaufst:
Design, Technologie oder der praktische Nutzen?
Naja, die drei sollten immer Hand und Hand gehen, ein Gadget sollte
gut aussehen, sehr funktional sein und natürlich die neueste Technik
bieten. Dann bin ich dabei, klar.
Twitter Fan?
Nach anfänglicher Quasi-Euphorie hat sich das ganze bei mir wieder
etwas gelegt, aber ich schalte mich immer mal wieder in den Info-Strom
auf Twitter ein, nehme aber nur noch selten aktiv teil.
Worüber schreibst du am liebsten in deinem Blog?
Über alles, was mir in die Finger kommt und das diesen gewissen Twist
hat. Das hat eine Bandbreite von Science-Fiction über Musik-Videos bis
hin zu Politik. Ein sogenanntes buntes Blog also, bei mir vielleicht
mit einem gewissen Fokus auf Abseitiges. Katzen gibt’s bei mir keine,
Katzen, die eine berühmte Internet-Meme nachmachen allerdings schon.
Das ist schwer zu beschreiben, vielleicht sagt es diese Headline eines
meiner Postings etwas treffender: Gurke auf elektrischer Gabel
beweisst die Macht des Christentums.
Was ist die Zukunft der Blogs?
Blogs werden sich auch in Deutschland in den nächsten Jahren als
Alternativ-Medien etablieren, ein Ende der Blogs wie es mancherorten
herbeigeschrieben wird, sehe ich nicht. Twitter und Lifestreaming sind
für eine eigene Publishing-Form keine Alternative, kann diese aber
ergänzen, klar. Was ich aus 10 Jahren Netz gelernt habe, ist:
Technologien, die einmal etabliert sind, verschwinden nicht so schnell
und Blogs sind im Grunde nichts anderes als eine Technologie. Da wird
noch einiges passieren.
Wenn es keine Blogs gäbe”¦?
Dann gäbe es private Websites mit CMS-Backend, die Peng heissen.
Was beschäftigt dich zurzeit am meisten?
Derzeit verfolge ich vor allem Grüne Technologien und beobachte die
sich anbahnende Wirtschaftskrise, ich bin sehr gespannt, wie sich
diese beiden Themen entwickeln und sich gegebenenfalls sogar
komplementär verhalten könnten. Mal sehen.